Ich saß gerade zwei Stunden gemütlich auf dem Balkon mit meinem neusten technischen Spielzeug – nein, kein iPad sondern einem „traditionellen“ eBook Reader, welches seit drei Wochen mein Eigen ist. In der grellen Sonne mit der (fast) selben Lesequalität wie einem stinknormalen Buch. Leider schüttet es jetzt draußen literweise, aber so komme ich wenigstens dazu mal in die Tasten zu hauen.
Ich besitze seit längerem ein N810, welches in letzter Zeit fast nur noch als eBook Reader genutzt wurde – und zwar zwei- bis dreimal die Woche um unterwegs Zeitung lesen. Warum also nicht weiter das N810, den Laptop oder gleich ein iPad? Na um die Augen zu entlasten! Schließlich sitze ich beruflich bis zu 10 Stunden vor der Mattscheibe – da kann man in der Freizeit auch mal die Augen von den traditionellen Mattscheiben nehmen und z.B. auf diese neuen „eInk“ Displays richten. Auch muss so ein Reader nicht alle zehn Stunden (iPad) spätestens geladen werden, sondern alle 6.000 – 7.500 Bildschirmwechsel. Laden geht über das mitgelieferte USB Kabel (in 4h Stunden für eine Komplettladung) oder ein zusätzlich zu kaufendes Netzteil (in 2h).
Mein Reader PRS-600 ist die 6 Zoll Touch Edition – die Bedienung erfolgt dementsprechend mittels im Reader versenkbaren Stift oder mit dem von den meisten Menschen immer mitgeführten Finger. Und das wirklich sehr einfach und intuitiv. Durch die Touchoberfläche spiegelt das Display leider leicht. Dies stört aber eher wenn es dunkler ist. Im grellen Sonnenlicht lässt sich im Vergleich zu matten Laptopdisplays dank des eInk Displays super lesen.
Platzangebot
Platz für Bücher bietet mein Reader mit „onboard“ 512 MB und sowohl einem Steckplatz für Memory Sticks, als auch einen für MiniSD Karten. Mit circa 100 Büchern – davon einige im nicht idealen PDF Format schafft man keine 400 MB. Ein EPUB Buch „wiegt“ typischerweise circa 1-2 MB. Ein PDF Buch 5-15 MB. Da man zwei 16 GB Karten in den Reader stecken kann, kann man wirklich komplette Bibliotheken mit sich führen.
Inhalte generell
Aber was ist ein eBook Reader mit riesigen Bibliotheksregalen (Speicherkarten) wert ohne Inhalte? Das native Format des Sony Readers ist EPUB. Er kann auch PDFs, Bilder, Word Dokumente (werden konvertiert) und einige mehr. Abgesehen vom nativen Format EPUB kann das Leseerlebnis etwas eingeschränkt sein. Enthält ein PDF die Inhalte als Bild, so sind die Texte häufig so nicht direkt lesbar, sondern man muss pro Seite „ranzoomen“ und dann hin und her scrollen. Das macht das Leseerlebnis so ziemlich kaputt. Sind die Inhalte der PDFs textuell vorhanden, so wechselt der Reader mit einmaligem Heranzoomen in den Textmodus und das Leseerlebnis ist fast natürlich. Nur gelegentliche falsche Umbrüche stören das Leseerlebnis noch leicht.
Beschaffung von Inhalten
Der Reader hat auch keinerlei Internet Funktionen, wie beispielsweise das iPad. Mal nicht direkt ins Internet gehen zu können trägt aber auch zur Entschleunigung bei. Das heißt aber auch, dass der Reader nicht autonom funktionieren kann, sondern die Inhalte auf anderem Wege in den Reader kommen müssen. Sony liefert ein entsprechendes Tool für Windows und Mac OS X mit. Bücher können beim deutschen Vertriebspartner Thalia.de gekauft werden – oder auch von anderen Quellen besorgt werden, solange der Reader mit dem Inhalt und dem ggf. vorhandenen DRM zurecht kommen kann.
Das Angebot selber ist stark unterschiedlich. Viele deutsche Zeitungen haben inzwischen ein eBook bzw, ePaper Angebot – integrieren sich aber leider nicht in die Sony Software. In der amerikanischen Version der Software soll auch einige wenige – von Sony vorgegebene – RSS Feeds integrierbar sein. RSS Feeds kann man sich aber mittels der genialen Freien Software calibre konvertieren. So kann man sich aus Tagesschau.de, Zeit.de, Spiegel.de, etc seine eigene „Tageszeitung“ bauen. Einfach genial! Magazine gibt es einige wenige (heise Verlag) und Bücher gibt es einige beim zentralen Vertriebspartner Thalia oder direkt bei einigen Verlagen.
Zeitungen
Zeitungen gibt es ja üblicherweise täglich – oder wöchentlich – neu und eine Migration auf das Medium eBook würde langfristig viel Papier sparen. Eine Zeitung funktioniert auf dem eBook Reader so lange gut, wie man die einzelnen Artikel auch liest und nicht einfach auf der Suche nach einem interessanten Artikel nur durchblättern will – da dürfte das iPad oder ähnliche andere Geräte stark im Vorteil sein, da aktuell die eBook Displays sehr träge sind und schnelles hin und her blättern etwas mühselig machen.
Interessanterweise sind die Zeitungsangebote alle sehr unterschiedlich und weder vom Download, vom Format oder der Bedienung kein bisschen standardisiert, sondern haben alle ihre eigenen Sonderlösungen.
Zu den einzelnen Zeitungs-Erfahrungen (folgen):
- TAZ
- Die Zeit
- Financial Times Deutschland
- ...
Bücher
Will man sich nicht nur auf das Thalia Angebot beschränken, so gerät man in eine ziemliche Servicewüste. Die meisten Bücher gibt es nicht außerhalb der traditionellen Papierform oder man bekommt reine Bild-PDFs. Amazons Kindle-Angebot lässt sich nicht nutzen. Man weiß meist nicht, ob ein Angebot funktioniert oder nicht, insbesondere wenn man sich nicht ein wenig mit den Formaten auskennt. Also nichts für technisch nicht versierte Nutzer.
Thalia hat inzwischen ein großes Angebot an Büchern. eBook Spontankäufe meinerseits blieben aber aus, da die jeweiligen gewünschten Bücher eben nicht im Sortiment vorhanden waren. So wächst die eigene Bücherbibliothek der normalen Bücher weiter an. Ist ein Buch auch als eBook erhältlich, liegt es preislich meist sogar wenige Cent über den Taschenbuchausgaben! Nicht gerade ein großer Anreiz sich eBooks anstatt von Taschenbüchern zu kaufen! Auch das Verschenken, Verleihen, Tauschen (Gibt es noch Tauschbücherregale in Bars?) und sonstige Büchererlebnisse entfallen logischerweise.
Das die einzelnen eBooks bei Thalia mit DRM („Digital Rights Management“, auch „Digital Restriction Management“ beschimpft) Maßnahmen versehen sind, trägt nicht gerade zum Vertrauen in die eBooks bei. Kaufe ich mir, wenn mein Sony Reader kaputt sein sollte, ein Konkurrenzprodukt mit anderem (oder ganz ohne) DRM, so kann ich meine Kaufbibliothek im Endeffekt wegwerfen – oder muss illegalerweise das DRM hacken und ggf. noch konvertieren. Angebote von anderen Verlagen (O'Reilly, Dpunkt/Heise) sind da angenehmer. Insgesamt sind eBooks einfach noch nichts für den 08/15 Nutzer.
Zu meinen einzelnen Büchererfahrungen (folgen):
- Thalia: „Meconomy“
- Projekt Gutenber
- O'Reilly
- DPunkt Verlag/Heise
- Amazon Kindle Buch: „Mixed Blood"
- Amazon Kindle Buch: „Analytics at Work“
- ...
Fazit
Für mich ist der eBook Reader auch nur dank dem Dpunkt Verlag, O'Reilly und insbesondere der calibre Software ein positives Erlebnis geworden. Solange man sich nicht mal eben jedes normale Buch (oder zumindest TASCHENBUCH) mal eben im Laden (oder auch mittels einer Onlinefunktion) besorgen kann, sehe ich weit und breit keinen Durchbruch für eBooks für den allgemeinen Leser. Nur ein paar technisch Verrückte wie ich werden sich so etwas kaufen...



Comments
Interessanter Bericht!
Da ich meine Bücher per Amazon gebraucht kaufe und meist 3-4€ dafür bezahle, bezweifle ich, daß sich sowas finanziell für mich lohnen würde. Aber Projekt Gutenberg mit ins Bett nehmen zu können, wäre schon verführerisch.
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